Review – K.I.Z. : Sexismus gegen Rechts.

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Sexismus gegen Rechts

Da meine Tastatur das Wochende über auf türkisch gestellt und meine Zeit knapp bemessen war, heute erst die K.I.Z. Review, ganz unüblich an einem Dienstag.

64 Minuten
1.Rohmilchkäse (Wassbass)
2.Lass die Sau raus (Wassbass)
3.Halbstark (Wassbass)
4.Rauher Wind (Tai Jaison)
5.Einritt (Wassbass)
6.Ohrfeige (Wassbass)
7.Straight outta Kärnten (Wassbass)
8.Selbstjustiz (Tai Jaison)
9.Scheiterhaufen (KD Supier)
10.Hurensohn Episode 1 (Wassbass)
11.Preisschild (Wassbass)
12.“Auch Nutten wollen Pendlerpauschale!“ (KD Supier)
13.Ringelpiez mit anscheißen (Kaso Keys)
14.Das System (SupaFunk)
15.Klopapier (Wassbass)
16.So alt (Tai Jaison)
17.Töten (GEE Futuristic)
18.Halbstark Rmx feat. Corus 86, Orgi 69, DJ Graf (Tai Jaison)

Es gibt sie einfach. CDs, die so gut sind das man sich hier und da beim anhören schon manchmal frägt, wie denn der Nachfolger bitte aussehen soll. So ging es mir 2007 als „Hahnenkampf“ im Herbst bei mir, egal ob auf dem Weg zur Party, beim Training, daheim oder beim Skaten lief. Durch ihre genialen Live-Auftritte hatten mich die Kannibalen in Zivil auch zu einem Fan gemacht.  Was ich als erstes befürchtet hatte, war das 2008 gleich ein neues, halbherziges Album hinterhergeschmissen wird, solange man sich noch im Bewusstsein der breiten Masse befindet. Diese Sorge blieb zum Glück unbegründet, denn ein Jahr lang widmeten sich die Klosterschüler im Zölibat dem, was sie mit am Besten können: Touren. Außerdem wurde das frisch verdiente Geld nicht in neue Autos, sondern in ein neues Studio gesteckt.

Nach diversen Gerüchten, denen zufolge das Album im Februar 2009 kommen sollte, wurde nach den ersten Lebenszeichen „Straße“ und „Straight outta Kärnten“ das Release auf Juli dieses Jahres gesetzt. Auch wenn ich meine Erwartungen so weit zurück wie nur möglich geschraubt habe, wurde dann durch das erste offizielle Video „Einritt“ zusammen mit der Bekanntgabe der Tracklist meine Vorfreude doch sehr gehoben.

Als ich die CD dann das erste Mal hörte, war ich vom ersten Lied, bzw. Skit erst sehr überrascht. Wenn Maxim die kulturelle Überlegenheit gegenüber den Deutschen erläutert („Wir hatten Kolonien/Ihr hattet Kohl!“) und am Schluss Nico die deutsche Nationalhymne auf die Melodie der französischen singt, ist das ja auch kein typischer Albumanfang. Den gibt es dann aber gleich danach mit „Lass die Sau raus“. Wenn Nico dann gewohnt gelangweilt und arrogant („Bei Mzee gibt’s zu deinem Album meine Kotztüte!“, Maxim aufgedreht („Du hinterlässt brauen Streifen wie Leni Riefenstahl!“) und Tarek geschmacklos („Ich bin der Holzklotz-Mörder von der Autobahnbrücke!“) ihre Parts auf einem Bassbrett von Wassbass zum Besten geben, kommt sofort das K.I.Z. Feeling wieder hoch.

Es folgt als die Single Halbstark, eine „Eis am Stiel“ Verarsche. Trotz aufkommendem Sommerfeeling des Beats und des einkalkulierten Mitgröhl-Refrains hat mich das Lied noch nicht komplett überzeugen können. Im Gegensatz zu den nächsten drei Liedern. In „rauher Wind“ werden auf einem poppigen Beat die Probleme der Banker erläutert, „Einritt“ hat den typischen Ausrast-Beat und mit die beste Hook des Albums und wenn dann auf Ohrfeige die Kreuzritter in Zentralasien ihr Frauenbild erklären und das Sample von Jay-Z erklärt, was man mit dem Müllsäcken machen muss („Bring em out!“)  ist eines klar: K.I.Z. sind in Höchstform und haben in keinster Weise nachgelassen. Auch wenn dann „Straight outta Kärnten“ zuerst nicht ins Bild passen will, nach diversen Durchläufen gewinnt man auch dem Haider-Song etwas ab.

Ab hier läuft geht das Album auf sehr hohem Niveau weiter. Die Hurensohn-Saga geht weiter (bester Tarek Part!) , K.I.Z. üben Selbstjustiz, verbrennen die Gegner auf dem Scheiterhaufen (bester Maxim Part!) und liefern mit „Das System“ (gutes Sido Feature!) ein geniales  Gegenstück zu „Riesenglied“. Auch Scheuklappen gibt es keine. K.I.Z. klingen sowohl auf RnB-lastigen Beats („Ringelpiez mit anscheißen“) oder auf E-Gitarren („Klopapier“) gut.  Auch wenn es dann kurz vor Schluss in „So alt“ auch noch mal ein bisschen ernster zugeht, wirkt das Ganze trotz der Frage ob die Geschichten real sind, immer noch authentisch.

Leider befind ich dann aber den letzten Track auf dem Album „Töten“ als kein würdigen Abschluss, eines so grandiosen Albums. Trotzdem, K.I.Z. haben trotzdem so gut wie alles richtig gemacht. Es ist zum Teil einfach noch politisch unkorrekter, die Hooks eignen sich alle zum mitgröhlen und obwohl die CD seit vier Wochen jeden Tag mindestens einmal läuft, wird das Ganze nicht langweilig. Hier und da wird mal der Beat bei der dritten Strophe variiert, manche Sprüche checkt man erst später und jeden Tag hat man einen neuen Favoriten. Auch mit der Aufmachung der Deluxe-Edition mit einem Extra-Comic (checkt hier jemand den Sinn?), fünf Wassbass Remixen von Hahnenkampf und aufwendigem Booklet zeigt sich die Liebe zum Detail.

Fazit: Auch wenn Nico fast immer den ersten Part rappt, und die Beats vielleicht insgesamt etwas poppiger klingen, „Sexismus gegen Rechts“ ist definitiv eins der Alben des Jahres. K.I.Z. besinnen sich auf ihre Stärken, und brauchen deswegen auch nicht viele Features. Auch wenn 1-2 Lieder im Vergleich zu den anderen minimal abfallen, hört man hier 64 Minuten Raps auf Beats, weit über dem aktuellen deutschen Standard. Ich bin jetzt schon wieder gespannt wie der Nachfolger hiervon aussehen wird.

Wertung: 9/10 Hurensöhnen

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7 Antworten zu Review – K.I.Z. : Sexismus gegen Rechts.

  1. Tobi schreibt:

    Verdammt nettes Review, hat mir direkt Lust auf die Platte gemacht, obwohl ich bisher eher skeptisch und von ein paar Songs sogar enttäuscht war.
    Mal abwarten ob sie mich auch noch so begeistern kann wie der Vorgänger, aber das zeug dazu scheint sie ja wohl zu haben.

  2. dr.dime schreibt:

    kann dem martin nur recht geben, auch wenn ich “töten” nicht so schlecht fand. akk!

  3. satanwasanacidheadwahnheimbiatch schreibt:

    Ich bin da zwiegespalten, Niveau wird nicht gehalten, abe rekin schlechtes Album, töten find ich mittlerweile geil, zweimal Halbstark ist zuviel (selbst einmal ist zuviel)

  4. Martin schreibt:

    Töten ist ja auch definitiv kein schlechter Track. Aber ich hätte mir dann doch eher einen Rausschmeißer a la “Der durch die Tür geher” gewünscht. Wenn das Lied in der Mitte vom Album platziert worden wäre – kein Problem.

  5. Dennis schreibt:

    Töten rockt! Halbstark ist Müll :D Ich steh auf die Scheibe!

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