Rammstein- Liebe ist für alle da

Veröffentlicht in Reviews am 26. Oktober 2009 von Tobi
Rammstein- Liebe ist für alle da

Rammstein- Liebe ist für alle da

1 Rammlied 5:19
2 Ich tu dir weh 5:02
3 Waidmanns Heil 3:33
4 Haifisch 3:45 5 B******** 4:15
6 Frühling in Paris 4:45
7 Wiener Blut 3:53
8 Pussy 4:00
9 Liebe ist für alle da 3:26
10 Mehr 4:09
11 Roter Sand

Nun ist es also endlich so weit, Rammstein bringen ihr erstes Album nach „Rosenrot“ raus, welches 2005 auf den Markt kam.

Und eines gleich vorneweg: Rammstein bieten auf diesem Album über die Liebe das, was man erwartet. Nicht mehr, und nicht weniger.

So ist das Video zu ersten Single „Pussy“ gleich der kleine Skandal den Rammstein schon immer zu provizieren gewusst haben und allgemein finden sich auf dem Album noch genug böse Themen, mit denen sich Rammstein aber gewohnt gut auseinander setzen.

Wie auch schon „Mein Teil“ in der Öffentlichkeit teilweise nicht mehr seriös zerrissen wurde, bietet auch das neue Album „Liebe ist für alle da“ genug Futter für die Medien, auf eine der erfolgreichsten Deutschsprachigen Bands einzuprügeln.

Aber nehmen wir uns die Zeit dieses Album wirklich Stück für Stück zu beleuchten.

„Rammlied“: Der Opener und zugleich das Signal das die Band wieder da ist. Ein gewohnt starker Rammstein Song, der jedem Fan Gänsehaut auf den Rücken zaubern sollte.
Er verbindet eine Menge Elemente die Rammstein auszeichnen, wie z.b. der ruhige Anfang, das deftige Riffing, die Keybords und als kleine Sahnehäubchen gibt es dann ab 3:45 Minuten eine kleine Hommage an Laibach, bzw. deren Coverversion von dem Opus Klassiker „Life is life“/“Leben ist Leben“

„Ich tu dir weh“: Ein Song über Erniedrigung und Schmerzen während des Liebespiels, einmal mehr wunderbart verpackt von Lindemann. Musikalisch das übliche, aber allgemein war die Neue Deutsche Härte ja „nur“ die Plattform für die Texte von Lindemann.
Allerdings passt die Musik auch hier wieder sehr gut, der melodische Refrain ist auch einen Lacher gut.

„Waidmanns Heil“: Trompeten zu Beginn und dann direkt die volle Breitseite, Rammstein gehen auf die Jagd und die Nummer bietet eine Menge Dynamik, die vorallem Live sehr gut abgehen dürfte.

„Haifisch“: Ein Song über die Band an sich, geführt von einem recht monotonen Beat und fast schon freundlichen Keyboards. Der Text hingegen ist einmal mehr eine schöne Verarbeitung der deutschen Sprache, wo man Lindemann wieder einmal nur auf die Schulter klopfen möchte.

„B******“: Um einiges angepisster kommt dann dieser Song daher, es wird erstmal wieder heftiger geschrienen und als Midtempo-Banger eignet sich der Song optimal.

„Frühling in Paris“: Die Ballade auf den Album, über die Liebesgeschichte von Fronter Till mit einer Französin in Paris, der Stadt der Liebe. Schöner Song, wo einmal mehr merkt was für ein musikalisches Feingefühl diese Band doch hat.

„Wiener Blut“: Der Song über Fritzl und seinen Familienkerker ist sicherlich für einen Skandal gut. Man kann sicherlich die Uhren danach stellen, wann der Song als Single ausgekoppelt wird und man das Video dazu im TV sehen darf.
Laut, melodisch und düster spricht Lindemann über das Grauen im Keller.
Es ist keineswegs so, das man sich in irgendeiner Weise über das Schicksal lustig macht, dafür wären Rammstein sicherlich auch die falschen Ansprechpartner.
Aus der Sicht des Täters gesungen, aber doch eine Abrechnung mit seinen Taten. Kann auch nicht jeder.

„Pussy“: Die Single, und zugleich für mich der Song, der am wenigsten passen möchte.
Da er teilweise auf Englisch gesungen ist, geht Rammstein natürlich die lyrische Note teilweise flötten, und obwohl das Stück selber tanzbar und unterhaltsam ist, dürfte der Song für mich der schlechteste auf dem Album sein. Gibt aber sicher Leute, die dem Song was abgewinnen können.

„Liebe ist für alle da“: Der Titeltrack zeigt sich als gewohnt gelungen, in dem einmal mehr alle Stärken Rammsteins zum tragen kommen. Das lyrisch natürlich einmal mehr auf den Putz gehauen wird, sollte inzwischen jedem klar sein.

„Mehr“: Ein Song über die Gier der Gesellschaft, könnte man direkt auf die Bankenkrise überleiten, die mal eben zu der riesigen Wirtschaftskrise führte.
Die gewohnte Laut/Leise Dynamik liefert auch hier den passenden Hintergrund, der Refrain bleibt nach dem ersten mal direkt hängen und alles zusammen einer der besten Song auf dem Album.

„Roter Sand“: sogesehen die zweite Ballade auf dem Album, und meiner Meinung der stärkste Song auf „Liebe ist für alle da“.
Das Drama über ein Duell am Strand für die Liebe, sehr schön gesungen und mit einer bildgewaltige Sprache ausgestattet, das man einmal mehr über unsere Sprache jubeln möchte, weil sie einem doch so viele wunderbare Bilder liefern kann.
Passendes Ende, da der Rote Faden der (etwas anderen) Liebe hier seinen Höhepunkt erlebt.

Rammstein bieten mit „Liebe ist für alle da“ also das erwartet starke Album, und genau da ist mein Problem mit diesem Album.
Es ist gut, teilweise sogar sehr gut, aber es kann nicht mehr überraschen.
Sicher, Rammstein sind Rammstein, aber man hat teilweise doch das Gefühl, das sich die Songs ohne die Refrains und die lyrischen Großtaten von Lindemann doch sehr ähneln würden.

Gut, wenn man wie ich Bands wie Motörhead zugesteht, 30 Jahre die gleiche Musik zu machen, wieso meckere ich da bei Rammstein?
Nun, zum einen weil Rammstein sicherlich an sich selber andere Maßstäbe setzen, als sich zu wiederholen, und zum anderen haben Rammstein ja schon oft genug bewiesen, das sie aus ihrem Genre ausbrechen können.

Produktionstechnisch, musikalisch und lyrisch ist „Liebe ist für alle da“ über jeden Zweifel erhaben und auch wenn der ganz große Hit der alten Alben fehlt („Sonne“, „Links, 2,3,4“, „Mein Teil“) kann das Album doch die Klasse über fast die ganze Dauer halten (wenn man von „Pussy“ mal absieht) und dürfte jeden Rammstein Fan das geben, auf was er so viele Jahre gewartet hat.

Wer allerdings Rammstein’s „Master of Puppets“ erwartet, muss sich noch gedulden oder doch akzeptieren das sie es mit „Mutter“ schon 2001 auf den Markt gebracht haben.

Wertung: 7,5 von 10 heißen Liebesnächten im Leichenschauhaus

„Save me from myself“ Die Autobiographie von Brian „Head“ Welch

Veröffentlicht in Uncategorized am 15. Oktober 2009 von Tobi

Nun bin ich da auch durch, das damals groß angekündigte Buch von Ex-Korn Gitarrist Brian Welch der für jede Menge Schlagzeilen sorgte, als er 2005 aus Korn ausstieg um sich seinem Glauben und seiner Tochter zu widmen.

Und das Buch ist vorallem eines: ehrlich.

Auf nicht mal 250 Seiten schreibt Welch allerdings auch vieles, was man nicht unbedingt erwartet hätte.

Angefangen bei seiner Kindheit und den ersten Kontakten zu Gott, über seine Jugend und der ersten Liebe zur Musik, kommt „Head“ auch sehr ausführlich auf Korn und deren Anfangszeit zu sprechen.
Über die Hälfte des Buches beschäftigt sich fast nur mit dieser Phase, welche für die meisten Fans der Band sicherlich am interessantesten ist.

So werden wir zeuge vom ersten Erfolg der Band und was Brian so alles in dieser zeit gemacht hat: Musik aufnehmen, Drogen, seine Freundin schlagen, Drogen, Musik live spielen, Drogen und natürlich Drogen.

Meth, Pillen, Alkohol und Kokain waren nicht nur bei ihm sondern auch bei den anderen Kornmitgliedern das Öl das den Motor am Laufen hielt und es überrascht mich beim lesen immer wieder, das keiner von den Jungs gestorben ist.

Obwohl der größte Teil des Buches diese Phase abdeckt, langweilt sie doch recht schnell.
Rock’n'Roll Skandale kennt nun mal jeder und wer solche Storys lesen mag, kann sich wohl eher „Dirt“ von Mötley Crüe einziehen.

Was allerdings auch in dieser Phase des Buches beeindruckend ist, ist wie ehrlich Welch zu sich und seinem Leben ist.
Er stellt sich selbst an den Pranger und gibt sich zum Abschuss frei.

Ein miserabler Vater und Ehemann, der kein Freund seinen Freunden sein kann und mag und nur noch Drogen im Sinn hat.

Er hat alles was er jemals wollte: Drogen, Frauen, jede Menge Geld, Konzerte auf der ganzen Welt und trotzdem ist er nie wirklich glücklich.
Das brignt einem zum Nachdenken, ob man selber mit den Dingen die man sich wünscht, wirklich glücklicher wäre.

Dann eines schönen Tages, Welch wieder voll mit Meth, passiert das Wunder: Welch betet Gott an, ihn vor sich selbst zu retten und Gott rettet ihn vor sich selbst.

Natürlich gibt es schwere Zeiten, aber Welch reflektiert das typisch christlich: stell dich der Herausforderung.
Er weint viel und betet noch mehr, lernt viel über Gottes Wege und lässt uns alle daran teilhaben.

Dabei liest sich das Buch selten wie eine Verkaufsbroschüre, sondern teilweise mehr wie ein Tagebuch. Er schreibt wie er spricht und viele Dinge die er niederschreibt, sind gute Ratschläge für das Leben. Ob nun als Christ, Moslem oder einfach nur als Mensch.

Welch spricht oft weise, manchmal auch nicht nachvollziehbar, über seinen Glauben und wie sich die Dinge für ihn zum Guten geändert haben.
Selbst wenn man den Religionen kritisch gegenüber steht, muss man trotzdem anerkennen, das Gott dieses Leben gerettet hat und ich beschäftige mich heute noch sehr intensiv mit der Frage, was Religion und Gott mir bedeuten.

Das Buch von Welch macht eine Menge richtig: es weiß zu unterhalten, ist locker von der Leber weg geschrieben und man baut daher fix Sympathie zu Welch auf UND es stößt zum Nachdenken an.

Was bedeutet Glaube für mich?
Gibt es eine höhere Macht?
Sollte ich nicht auch um Vergebung bitten für meine Fehler?
Welche Kraft treibt so viele Menschen dazu an, soviel Gutes zu tun?

Natürlich ist Welch kein Religions- oder Geschichtsprofessor daher bleibt es bei vielen dieser Fragen bei seiner persönlichen Meinung und das die katholische Kirche nicht nur geil ist und das Leben vieler „Ungläubiger“ gefordert hat, sollte man auch nicht vergessen.

Allerdings geht es „Head“ auch mehr um seinen Glauben und Gott an sich, und weniger um die Kirche, nur muss einem auch klar sein, das die Kirche der Vertreter Gottes auf Erden ist und man daher ihre Taten schlecht einfach so ausblenden kann. Dies wäre naiv.

Als Fazit bleibt stehen das jeder Fan von Korn sich das Buch geben sollte, und jeder Mensch der sich mit dem Thema Religion einmal auf eine ziemlich unwissenschaftliche Weise beschäftigen will, sollte auch mal zu diesem Buch greifen.

Martins aktuelle Top 6 Alben, die mich den ersten Monat (September) in Hamburg City begleitet haben

Veröffentlicht in Fünf Sterne Deluxe mit Tags , , , , , am 3. Oktober 2009 von Martin

Wie ja schon der ein oder andere aufmerksame Leser dieses Blogs mitbekommen hat, bin ich seit einem Monat in Hamburg zuhause. Dort hab ich leider noch keinen Internetanschluss, wodurch meine Posts hier auf dem Musikkomplex ziemlich rar sind. Nichtsdestotrotz hör ich noch mehr Musik als davor und hab sogar schon einige Sachen für den Blog geschrieben, allerdings handschriftlich. Wird aber demnächst alles hier erscheinen – versprochen! Bis dahin nutz ich mein erstes Wochenende daheim und meine kreative Phase für meine aktuellen Top 6 (Ausnahme!) Alben, die mich die letzten 4-5 Wochen begleitet haben.

The Killers : Sam’s Town.

Gleich am zweiten Tag ab in die riesige CD Abteilung vom Saturn und diese CD gekauft. Ich kannte nur „When you were young“ und hab den Rest des Albums quasi blind gekauft. Was soll ich sagen? Seit „A rush of blood to the head“ hab ich keine Platte aus diesem Genre so intensiv gehört. Ein Album das man ohne Probleme von Anfang bis Ende hören kann, jedes Lied erzählt seine eigene, traurige Geschichte und man hat das perfekte Gleichgewicht zwischen Melancholie, Schönheit und Optimismus gefunden. Top.

Aktuelle Favoriten: On my list, Why do I keep counting, Bling (Confessions of a king)

Roxy Music : Roxy Music.

Ich bin ja seit einigen Monaten auch auf der Musik aus den 70ern hängengeblieben und hab schon das „Country Life“ Album von Roxy Music diese Sommermonate oft rotieren lassen. Der Erstling dieser Band bietet zwar auch ein bis zwei Lieder, die ich so feier, auf der anderen Seite aber auch diverse epische, leicht melancholische Perlen und eins der stylischsten Artworks.

Aktuelle Favoriten: If there is something, The Bob (Medley),  2HB

Neaera : Omnicide – Creation unleashed.

Natürlich hör ich im Moment nicht nur Indie, sondern natürlich auch Musik der härteren Gangart. Das aktuelle Neaera Album war ein Pflichtkauf vor dem Hell on earth 09 Auftritt. Ich hätte selber nicht gedacht, dass mir die Platte so gut gefällt. Fies, angepisst und der ideale Soundtrack um an den ersten windigen, regnerischen Herbsttagen an den Landungsbrücken einen Spaziergang zu machen oder beim Training. Ausführliche Review ist schon verfasst und kommt bald!

Aktuelle Favoriten: I loathe, I am the rape, Age of hunger

Santogold : Santogold.

Von der außergewöhnlichen, amerikanischen Songwriterin waren mir ein durchgeschwitzter Konzertbesuch und zwei Lieder im Gedächtnis, die mich diesen Sommer begleitet haben. Grund genug sich das vielfältige Album zuzulegen und Perlen wie „You’ll find a way“, „Say Aha“ laut aufzudrehen wenn Feierabend ist oder wir für einen legendären Kiezabend vortrinken.

Aktuelle Favoriten: You’ll find a way, Light’s out, L.E.S. Artistes

Queens of the stone age : Rated R.

Wo wir gerade bei legendären Kiezabenden waren. Eine Band die von allen im Wohnheim gefeiert wird, hört auf den Namen Queens of the stone age. Kein Wunder, keiner liefert einen besseren Soundtrack für eine feuchtfröhliche Runde, zum mitsingen, Luftgitarre spielen und am nächsten Abend mit einem leichten Kater aufzustehen und den Müll zu entsorgen.

Aktuelle Favoriten: The lost art of keeping a secret, Auto Pilot, In the fade

August burns red : Constellations.

Für mich eins der meist herbei gesehnten Alben dieses Jahres. Und das Warten hat sich gelohnt. Wer wirklich perfekten, mitreißenden Metalcore hören will, kommt an diesem Album nicht vorbei. Wird nicht langweilig, überrascht immer wieder und unterstreicht die Stellung, die August burns Red mittlerweile vollkommen zu Recht in der Szene haben. Review von meiner Seite gibt es hierzu nicht, da Tobi die Platte schon vor einiger Zeit hier mal ausführlich besprochen hat.

Aktuelle Favoriten: Indonesia, Meddler, Existence

Darf ich Vorstellen….? – In-Quest!

Veröffentlicht in Darf ich vorstellen...? mit Tags am 26. September 2009 von Den

In-Quest

Die belgische Metalszene ist vor allem für ihr brutales Todesblech bekannt. Ob nun die Razorgrinder LENG TCH’E oder das Kettensägen-Flagschiff ABORTED – Hollands Nachbarn scheinen Gewalt nicht abgeneigt. IN-QUEST, selbst bereits keine Neulinge mehr, ackern da in etwas anderen Gefilden. Im Laufe der Bandgeschichte löste man sich vom stumpfen Old-School-Death der ersten Alben, und fand über eine kurze Phase ABORTED-auf-MESHUGGAH-Drogen-Metal (nicht zuletzt Dank Kurzzeit-Fronter Svencho) schließlich zum heutigen Tag.

Und der ist zwar nicht minder gewaltig, verquickt aber eine Vielzahl so herrlich unbelgischer Einflüsse. Da wäre zum Beispiel ein Drang zum alten SOILWORK-Sound, oder auch die Integration wabernder, synthetischer Gitarrensoli, die an die bereits erwähnte, ebenfalls schwedischen, Kollegen von MESHUGGAH erinnern. Dazwischen wird auf hohem technischen Niveau und mit ordentlich Tempo gnadenlos geackert und gefuhrwerkt. Und zwischen alldem erhebt sich Frontmann MiQe Löfbergs geschmeidige Stimme, die zu gleichen Teilen Erinnerungen an Speed Strid als auch neuere PANTERA-Scheiben weckt.

Die gesammelte Power dieses Line-Ups gabs bislang nur auf dem Knaller-Release „The Comatose Quandaries“. Mit „Made Out Of Negative Matter“ steht nun das neue Package kurz vor der Veröffentlichung – in einer Mangelung eines Plattenlabels haben die Jungs diesmal alle Zügel selbst in der Hand. Die erste Höreindrücke sind deutlich kompromissloser als die vorherigen Outputs, und IN-QUEST marschieren mit großen Schritten darauf zu, Belgium’s finest zu werden!

Line-Up:
MiQe – Vocals
Douglas – Leads
Gert – Drums
Valéry – Rhythms
Korre – Bass

Diskografie:
Made Out Of Negative Matter (2009)
The Comatose Quandaries (2005)
Epileptic (2004)
Destination Pyroclasm (2003)
Operation: Citadel (1999)
Extrusion: Battlehymns (1997)

Links:
Offizielle Homepage
MySpace

Ausgegraben: „Alive of Just Breathing?“ von Killswitch Engange

Veröffentlicht in Ausgegraben am 24. September 2009 von Tobi
Killswitch Engange- Alive or just Breathing?

Killswitch Engange- Alive or just Breathing?

1. Numbered Days – 3:35
2. Self Revolution – 3:08
3. Fixation on the Darkness – 3:37
4. My Last Serenade – 4:17
5. Life to Lifeless – 3:17
6. Just Barely Breathing – 5:41
7. To the Sons of Man – 1:58
8. Temple from the Within – 4:04
9. The Element of One – 4:08
10. Vide Infra – 3:27
11. Without a Name – 1:44
12. Rise Inside – 5:54

Manchmal hat man dieses Gefühl, das man in der Zeit einen Sprung rückwärts macht.
Wenn man z.b über alten Zeiten redet oder eben eine CD hört, die einen an eine längst vergangenen zeit erinnert.

Wenn ich „Alive or just Breathing?“ von Killswitch Engage höre, bin ich wieder im Jahre 2002.
Ich bin 18jahre alt und die Metalcore-Szene ist frisch, neu und aufregend und noch kein Sammelbecken für Trendkinder und andere Erscheinungen des Trends.

Der erste Song den ich übers Internet hörte, war „Life to Lifeless“, und obwohl es sogar nicht der beste Song auf der Scheibe ist, war ich sofort hin und weg.
Im ersten Augenblick dachte ich mir eher „Ach joa, mal wieder ne Metalband aus den Staaten“, doch es war kein Gesang der einsetzte, es waren mehr Hardcore-Shooutings die mir mit „Humanity cover me with the ashes of remembrance/I will learn from this pain“ ins Ohr bellten, um dann nach 1:15Minuten mit der wunderbar klar gesungenen Passage „Life to lifeless to eternity/ Life to lifeless/ The cycle repeats“ mich endgültig zu überzeugen.

Schon im zweiten Chrous sang ich mit und wollte zu diesem Zeitpunkt diese CD haben.
Leider dauert es dann noch etwas bis ich „Alive or Just Breathing?“ in den Händen halten durfte, doch jede Sekunde des Wartens hatte sich gelohnt.

„Numbered Days“ war der perfekte Opener, der sogesehen den Grundstein einer ganzen Szene legen sollte. Härte trifft im Refrain auf Melodie.
Die Instrumente, die Stimme, die gesamte Atmosphäre des Songs änderte sich dermaßen nach gut 2 Minuten, und das einfach nur wegen dem melodischen Refrain.
„Arms raised (raised)/Eyes gaze (gaze)/Tongues of fire whisper/This life (life) will soon (soon) slip away“ waren die Worte und auch hier konnte ich sofort mitsingen, einfach weil sie so „catchy“ waren. Allgemein war der Anfang der Scheibe die totale Wucht, den nach diesem Opener feuerten die Jungs aus dem Großraum Bosten direkt noch „Self Revolution“ und „Fixation on the Darkness“ raus um direkt danach ihren ersten großen Hit abzufeiern.

„My Last Serenade“ fand ich damals mit am schlechtesten, weil er mir dann doch ne Ecke zu melodisch war, doch dieser Song sollte in die Charts stürmen und in den Clubs rauf und runter gespielt werden und KSE den Weg frei machen, die Band zu werden, die sie heute sind.
Mehr Melodien und weniger Härte. Der Song ist keinesweg schlecht und nach den ersten drei Songs war es wirklich gut mal wieder etwas „weicheres“ zu hören, doch im Gesamtkunstwerk des Albums ist dieser Song sicherlich einer der schlechteren Songs.

„Just Barely Breathing“ zeigt dann eine etwas andere Seite der Band, weil sie erst nach etwa einer Minute loslegen, dafür aber in einer Härte die man der heutigen Band gar nicht mehr zutrauen würde. Mit einem mörderischen Tempo und disharmonischen Töne rotzt es aus den Boxen und man kann sich schwer vorstellen, das auch hier ein melodischer Refrain irgendwo gut eingebaut werden kann, doch 2002 gibt es nichts, was KSE nicht schaffen können.

„Are we alive or just breathing?/Don’t close your eyes, see the images“ heißt es dann im Refrain und das Tempo wird langsamer und der Gesang fast schon hypnotisiert.
Der Song verdeutlicht ziemlich gut, wieso ich diese Scheibe so göttlich finde.

Zu keiner Sekunde hatte ich das Gefühl, hier unnötige Passagen zu hören, oder das etwas passiert, was man vorher schon vorherahnen konnte.
Diesen Trumpf haben KSE heute leider nicht mehr. Ein Song fängt an, man hört das die Gitarrenarbeit metallischer geworden ist und wartet nur auf den klaren Gesang der die Nummer Richtung Pop entführt.
Damals war es anders, auch weil es diese Art der Musik noch nicht auf dieser Stufe der Qualität gab.

Der Song endet „schön“ um es mal so auszudrücken, und das letzte was man erwartet ist dann so ein Anfang, wie in „To the Sons of Man“.
Es war überraschend, es war neu und es war nicht vorherzusehen, in welche Richtung sich das Album und die einzelnen Songs entwickeln konnte.

Zudem gönnten sich KSE immer wieder Passagen, in denen sie zeigten das sie es für eine Band aus der Hardcore-Szene doch verdammt gut mit ihren Instrumente auskennen (die Brücke durch „Without a Name“ zur Schlußnummer)

Natürlich brauch ein Album mehr als nur gute Songs um mich begeistern zu können.
Doch auch die Produktion war damals grandios, rau und doch druckvoll genug um die Energie gut rüberbringen zu können.
Das Artwork passte, die Texte sind grandios und hatten viele Möglichkeiten zur Interpretation und hatten durch ihren christlichen Touch etwas frisches und auch sonst schien alles zu passen.

Was fehlte also? Richtig, eine Schlussnummer die überzeugen konnte.
Und nachdem “Rise Inside“ nach fast 6 Minuten zu einem Ende gekommen war, stelle ich mir gar nicht mehr die Frage, ob man ein Album in diesem Genre besser abschließen könnte.

„Rise Inside“ war ein unglaublicher, kraftvoller Song und gehört zu einen der besten Songs die Killswitch Engange je geschrieben haben.
Kraft, Melodien und sogar irgendwie das Gefühl von Erhabenheit verspüre ich noch heute, wenn ich diesen Song höre.
Klar, er ist spielerisch nicht das beste und auch vom Refrain nicht, doch wie der Song sich entwickelt, wie sich das Tempo teilweise nur stückhaft ändert und wie sehr Song und Lyrics hier miteinander zusammen arbeiten ist vorbildlich ( Time has come to, make a difference / Why have we forsaken love? / Time has come to, raise our voices to rise up, and fight with me“)

Nach 4:40Minuten ungefähr wird dann noch ein letztes mal kurz die Bude auseinander genommen und dazu aufgefordert immer an sich zu arbeiten und aufzustehen, wenn es nötig ist („Time has come/ Time has come/ The time has come to Rise Inside /Rise Inside / Get up“)

Hier stimmte damals wirklich alles und selbst Musikfans, die mit Metalcore wenig anfangen können, werden dieses Album sicherlich deutlich besser finden, als das, was heute auf den Markt kommt.

Was am Ende bleibt ist für mich das Fundament einer ganzen Szene, ein Album welches auch noch in 10Jahren mich begeistern wird und obwohl ich die heutige Szene und KSE selber kaum noch höre, ist es ein Klassiker der immer wieder bei mir rotieren darf.
Sicherlich auch weil mich diese Scheibe emotional sehr an die damalige Zeit erinnert, die sicherlich zu den schönsten Passagen meines noch so jungen Lebens zählt.

Die Erinnerungen an eine Zeit ohne Scheuklappen, ohne die Geschwüre des Trends. Erinnerungen an Konzerte wo Metaller und Hardcoretypen sich in den Armen lagen um solche Musik mit einem ordentlich Pit abzufeiern. Manche Dinge trauere sogar dann ich nach.

Lyrics der Woche: „Omerta“ von Katatonia

Veröffentlicht in Lyrics am 22. September 2009 von Den

In dieser Woche tauchen wir lyrisch ab in die melancholischen Untiefen der Schweden von KATATONIA. Auf ihrem 2004er Release „Viva Emptiness“ findet sich mit ‘Omerta’ ein tieftrauriger Song über das Verlassen, das Wiedersehen und den endgültigen Abschied. Aber lest selbst…

Come by, you have come far.
All I had, I lost in the flood.
Come sit with me at the bar,
Tell me of progress, strengthen my blood.
No one here knows my name.
I have traded my memories for things,
But I remember you clearly.
Do you remember that I used to sing?

Why have you waited so long?

Come by, you have come far.
Long since I saw you, so how have you been?
Come sit with me at the bar.
How long since they told you that they had found him?
No one here knows my name.
I gave up my worries for one good thing,
But I remember you clearly.
Do you remember that I used to sing?

Was it because I never told you I was going away
That you waited so long?
Was it because your fucking dreams meant nothing to me
That you waited so long?

It runs from the top of my fingers into my hands.
What is it I have been drinking?
I do not understand.
I thought I’d lost you my brother, I’m so glad you came.
My regards to the ones that I love – I miss them.
Tell them I love them, I miss them.

Deichkind – Arbeit nervt!

Veröffentlicht in Reviews mit Tags , am 20. September 2009 von Den

01. Hört ihr die Signale
02. Dicker Bauch
03. Arbeit nervt
04. Ich und mein Computer
05. 23 Dohlen
06. Luftbahn
07. Metro
08. Klötersound (Skit)
09. Gut dabei
10. Im Raucherzimmer (Skit)
11. Travelpussy
12. Hoverkraft
13. Komm rüber
14. Urlaub vom Urlaub

Wenn zwischen zwei Alben 8 Jahre liegen, kann es durchaus mal stilistische Verschiebungen geben. Die Entwicklung, die DEICHKIND seit ihrem Debüt „Bitte ziehen Sie durch“ durchgemacht haben, kann nur als radikal beschrieben werden. Wo zu Anfang des Milleniums noch zielsicher im Fahrwasser der frisch geboomten Hamburger Hip-Hop-Szene gewerkelt wurde, geht es mittlerweile deutlich eigenständiger, elektronischer und vor allem abwechslungsreicher zu Werke. Und nach diversen Besetzungswechseln, die nur eines der Gründungsmitglieder unversehrt ließen, treibt „Arbeit nervt!“ diese Evolution nun auf die Spitze.

Das Arbeit nervt, wissen wir ja alle. Aber DEICHKIND machen unmissverständlich klar: Sie nervt nicht nur, sie NERVT! Wer sich den Titeltrack des Albums anhört findet einen aggressiven Beat, treibende Rhythmen und wie am Fließband abgespulte Lyrics vor. Die Krönung dieser nahezu perfekten Vertonung industrieller Eintönigkeit ist das ultimative Bouncemonster von Chorus, zu dem man am liebsten schon im heimischen Wohnzimmer auf und ab springen möchte – oder noch besser, direkt im Büro. Grundsatzbotschaft: abschalten und abgehen! ‘Hört ihr die Signale’ ist für diese Stimmung ein grandioser Opener und steckt voller zitierwürdiger Sätze (“Alle müssen tanken/denn kein Mensch ist illegal/schon gar nicht wenn er breit ist“). Überhaupt beweisen die Nordlichter wie so oft ein gutes Händchen für unterhaltsame, oft nicht unbedingt sinnvolle Texte, die jedoch stets eine gewisse (Selbst)ironie intus haben. Auch darf es gerne mal etwas derber sein, wie z. B. ‘Travelpussy’ urkomisch beweist. Als Gegengewicht dazu gibt es Songs wie das äußerst chillige ‘Luftbahn’ oder der Rausschmeißer ‘Urlaub vom Urlaub’. So eine richtige Schnulze gibt es hier aber keineswegs – wäre auch viel zu schade um die mitreißenden Beats. Fast jeder der Songs punktet mit einem hohen Wiedererkennungswert, und bis auf das doch etwas hingerotzte ‘Komm rüber’ gibt es auf „Arbeit nervt!“ keinen Ausfall. Ganz im Geigentiel setzt das Album neben den bereits erwähnten Songs einige glanzvolle Highlights. Da wären zum einen die ‘23 Dohlen’, bei denen man nicht weiß ob man lachen oder sich fürchten soll (wobei die gesampelten Vogel“schreie“ eigentlich dann doch nur ersteres zulassen). ‘Ich und mein Computer’ zaubert ein verstehendes Lächeln auf die geplagten Nervenkostüme aller PC-User dieser Welt. Und das ‘Hovercraft’ vermittelt nicht nur das Gefühl einer wilden Achterbahnfahrt, sondern ist auch das Glanzstück von Neumitglied und Ex-Mongo Ferris MC, der hier als Ferris Hilton der Band beigetreten ist.

Und speziell Ferris, der einige ungeahnte Qualitäten unter Beweis stellt, steht symbolisch für die neu erstarkte Besetzung von DEICHKIND. Das Quartett funktioniert und vor allem harmoniert auf „Arbeit nervt!“ exzellent und klingen deutlich runder als das reine Hip-Hop-Lineup der Anfangszeit. Wobei man gestehen muss, dass die einprägsamen stimmen von Buddy und Malte trotz allem eine Lücke hinterlassen haben, die selbst Ferris’ großartige Perfomance nicht ganz ausfüllen kann. Musikalisch aber ist die Scheibe abwechslungs- und temporeich, drückt jedem Song einen eigenen Stempel auf und frischt den DEICHKIND-eigenen Sound komplett auf. Auch live schlagen die neuen Nummern entsprechend ein.

Was dem Album fehlt, ist ein wenig Glanz und Glamour, und vor allem eine Vollbluthitsingle wie das unerreichte ‘Remmidemmi’. Auch sind die Texte etwas grober als auf den Alben zuvor, was dem Wortwitz aber keinen Abbruch tut. Unterm Strich ist an „Arbeit nervt!“ kaum etwas auszusetzen. Bleibt nur zu hoffen, dass DEICHKIND die eigenen Reihen zusammenhalten und auf dem großen Potential dieser Konstellation aufbauen können!