
Rammstein- Liebe ist für alle da
1 Rammlied 5:19
2 Ich tu dir weh 5:02
3 Waidmanns Heil 3:33
4 Haifisch 3:45 5 B******** 4:15
6 Frühling in Paris 4:45
7 Wiener Blut 3:53
8 Pussy 4:00
9 Liebe ist für alle da 3:26
10 Mehr 4:09
11 Roter Sand
Nun ist es also endlich so weit, Rammstein bringen ihr erstes Album nach „Rosenrot“ raus, welches 2005 auf den Markt kam.
Und eines gleich vorneweg: Rammstein bieten auf diesem Album über die Liebe das, was man erwartet. Nicht mehr, und nicht weniger.
So ist das Video zu ersten Single „Pussy“ gleich der kleine Skandal den Rammstein schon immer zu provizieren gewusst haben und allgemein finden sich auf dem Album noch genug böse Themen, mit denen sich Rammstein aber gewohnt gut auseinander setzen.
Wie auch schon „Mein Teil“ in der Öffentlichkeit teilweise nicht mehr seriös zerrissen wurde, bietet auch das neue Album „Liebe ist für alle da“ genug Futter für die Medien, auf eine der erfolgreichsten Deutschsprachigen Bands einzuprügeln.
Aber nehmen wir uns die Zeit dieses Album wirklich Stück für Stück zu beleuchten.
„Rammlied“: Der Opener und zugleich das Signal das die Band wieder da ist. Ein gewohnt starker Rammstein Song, der jedem Fan Gänsehaut auf den Rücken zaubern sollte.
Er verbindet eine Menge Elemente die Rammstein auszeichnen, wie z.b. der ruhige Anfang, das deftige Riffing, die Keybords und als kleine Sahnehäubchen gibt es dann ab 3:45 Minuten eine kleine Hommage an Laibach, bzw. deren Coverversion von dem Opus Klassiker „Life is life“/“Leben ist Leben“
„Ich tu dir weh“: Ein Song über Erniedrigung und Schmerzen während des Liebespiels, einmal mehr wunderbart verpackt von Lindemann. Musikalisch das übliche, aber allgemein war die Neue Deutsche Härte ja „nur“ die Plattform für die Texte von Lindemann.
Allerdings passt die Musik auch hier wieder sehr gut, der melodische Refrain ist auch einen Lacher gut.
„Waidmanns Heil“: Trompeten zu Beginn und dann direkt die volle Breitseite, Rammstein gehen auf die Jagd und die Nummer bietet eine Menge Dynamik, die vorallem Live sehr gut abgehen dürfte.
„Haifisch“: Ein Song über die Band an sich, geführt von einem recht monotonen Beat und fast schon freundlichen Keyboards. Der Text hingegen ist einmal mehr eine schöne Verarbeitung der deutschen Sprache, wo man Lindemann wieder einmal nur auf die Schulter klopfen möchte.
„B******“: Um einiges angepisster kommt dann dieser Song daher, es wird erstmal wieder heftiger geschrienen und als Midtempo-Banger eignet sich der Song optimal.
„Frühling in Paris“: Die Ballade auf den Album, über die Liebesgeschichte von Fronter Till mit einer Französin in Paris, der Stadt der Liebe. Schöner Song, wo einmal mehr merkt was für ein musikalisches Feingefühl diese Band doch hat.
„Wiener Blut“: Der Song über Fritzl und seinen Familienkerker ist sicherlich für einen Skandal gut. Man kann sicherlich die Uhren danach stellen, wann der Song als Single ausgekoppelt wird und man das Video dazu im TV sehen darf.
Laut, melodisch und düster spricht Lindemann über das Grauen im Keller.
Es ist keineswegs so, das man sich in irgendeiner Weise über das Schicksal lustig macht, dafür wären Rammstein sicherlich auch die falschen Ansprechpartner.
Aus der Sicht des Täters gesungen, aber doch eine Abrechnung mit seinen Taten. Kann auch nicht jeder.
„Pussy“: Die Single, und zugleich für mich der Song, der am wenigsten passen möchte.
Da er teilweise auf Englisch gesungen ist, geht Rammstein natürlich die lyrische Note teilweise flötten, und obwohl das Stück selber tanzbar und unterhaltsam ist, dürfte der Song für mich der schlechteste auf dem Album sein. Gibt aber sicher Leute, die dem Song was abgewinnen können.
„Liebe ist für alle da“: Der Titeltrack zeigt sich als gewohnt gelungen, in dem einmal mehr alle Stärken Rammsteins zum tragen kommen. Das lyrisch natürlich einmal mehr auf den Putz gehauen wird, sollte inzwischen jedem klar sein.
„Mehr“: Ein Song über die Gier der Gesellschaft, könnte man direkt auf die Bankenkrise überleiten, die mal eben zu der riesigen Wirtschaftskrise führte.
Die gewohnte Laut/Leise Dynamik liefert auch hier den passenden Hintergrund, der Refrain bleibt nach dem ersten mal direkt hängen und alles zusammen einer der besten Song auf dem Album.
„Roter Sand“: sogesehen die zweite Ballade auf dem Album, und meiner Meinung der stärkste Song auf „Liebe ist für alle da“.
Das Drama über ein Duell am Strand für die Liebe, sehr schön gesungen und mit einer bildgewaltige Sprache ausgestattet, das man einmal mehr über unsere Sprache jubeln möchte, weil sie einem doch so viele wunderbare Bilder liefern kann.
Passendes Ende, da der Rote Faden der (etwas anderen) Liebe hier seinen Höhepunkt erlebt.
Rammstein bieten mit „Liebe ist für alle da“ also das erwartet starke Album, und genau da ist mein Problem mit diesem Album.
Es ist gut, teilweise sogar sehr gut, aber es kann nicht mehr überraschen.
Sicher, Rammstein sind Rammstein, aber man hat teilweise doch das Gefühl, das sich die Songs ohne die Refrains und die lyrischen Großtaten von Lindemann doch sehr ähneln würden.
Gut, wenn man wie ich Bands wie Motörhead zugesteht, 30 Jahre die gleiche Musik zu machen, wieso meckere ich da bei Rammstein?
Nun, zum einen weil Rammstein sicherlich an sich selber andere Maßstäbe setzen, als sich zu wiederholen, und zum anderen haben Rammstein ja schon oft genug bewiesen, das sie aus ihrem Genre ausbrechen können.
Produktionstechnisch, musikalisch und lyrisch ist „Liebe ist für alle da“ über jeden Zweifel erhaben und auch wenn der ganz große Hit der alten Alben fehlt („Sonne“, „Links, 2,3,4“, „Mein Teil“) kann das Album doch die Klasse über fast die ganze Dauer halten (wenn man von „Pussy“ mal absieht) und dürfte jeden Rammstein Fan das geben, auf was er so viele Jahre gewartet hat.
Wer allerdings Rammstein’s „Master of Puppets“ erwartet, muss sich noch gedulden oder doch akzeptieren das sie es mit „Mutter“ schon 2001 auf den Markt gebracht haben.
Wertung: 7,5 von 10 heißen Liebesnächten im Leichenschauhaus



